Wie alles anfing – zur Geschichte von INTEZ e.V.

INTEZ e.V. entstand aus der Arbeit in zwei Modellprojekten, die an der Universität Duisburg-Essen durchgeführt wurden. Mit dem Ende dieser Projekte hat sich der Schwerpunkt unserer Tätigkeit verschoben: Von der Organisation und Begleitung der akademischen Nachqualifizierung von Zugewanderten innerhalb der Hochschule zur finanziellen Unterstützung von Zugewanderten, die in Deutschland noch einmal studieren, von außerhalb der Hochschule.

Projekte für zugewanderte Bildungsausländer*innen an der Universität Duisburg-Essen

ProSALAMANDER

Am Anfang stand die Idee der akademischen Nachqualifizierung: Zugewanderte mit ausländischem Hochschulabschluss sollten in verkürzter Studienzeit einen deutschen Hochschulabschluss erwerben. Die Verkürzung der Studiendauer war natürlich nur möglich, wenn man in Deutschland das gleiche oder ein eng verwandtes Fach studierte. Dann konnten Studieninhalte aus dem Ausland anerkannt werden.

Um diesen Ansatz zu erproben, förderte die Stiftung Mercator ab 2012 an den Universitäten Duisburg-Essen und Regensburg das Projekt ProSALAMANDER (Programm zur Stärkung ausländischer Akademiker*innen durch Nachqualifizierung an den Universitäten Duisburg-Essen und Regensburg). Die Schwerpunkte des Projekts bestanden darin, die Interessent*innen bei der Wahl des Studienfachs zu beraten, sie bei der Anerkennung ihrer ausländischen Studienleistungen durch die zuständigen Fakultären zu unterstützen und sie während ihres Studiums zu begleiten. Die Teilnehmenden erhielten von der Stiftung Mercator ein Stipendium, so dass die Sicherung des Unterhalts in dieser Phase nicht das vorrangige Problem war.

OnTop

ProSALAMANDER wurde 2015 abgelöst durch das Projekt OnTop , das von der Bundesregierung und dem Europäischen Sozialfonds im Rahmen des IQ-Netzwerks gefördert wurde. Die Abkürzung IQ steht für „Integration durch Qualifizierung“, und genau darum ging es ja. Hauptsächlich hilft IQ bei der beruflichen Anerkennung und der Berufsausbildung; mit OnTop kam auch die akademische Nachqualifizierung zum Zuge.

Anders als bei ProSALAMANDER gab es bei OnTop kein Stipendium. Damit wurde die Sicherung des Unterhalts während einer akademischen Nachqualifizierung zum Problem. OnTop half mit der Vermittlung von studentischen Hilfskraftjobs.

„Wir schaffen das!“

In den Jahren 2014-2016 nahm der Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland stark zu. Dadurch bekamen die Hindernisse, die Zugewanderte bei ihrer Integration in den deutschen Arbeitsmarkt überwinden müssen, mehr Aufmerksamkeit. In kurzer Zeit wurden zahlreiche Förderprogramme aufgelegt, und auch die Spendenbereitschaft von Personen und Einzelorganisationen nahm stark zu.

Vereinsgründung

In dieser Situation wurde am 21.10.2015 INTEZ e.V. von 9 Personen gegründet. Nach der Eintragung im Vereinsregister und der vorläufigen Anerkennung der Gemeinnützigkeit gelang es in kurzer Zeit, Spenden und Fördermittel in großem Umfang einzuwerben.

Deutschlandstipendien

Die eingeworbenen Mittel erlaubten es INTEZ, sich an der Finanzierung von Deutschlandstipendien zu beteiligen. Die Stipendiat*innen des Deutschlandstipendiums werden jeweils für ein Studienjahr von ihren Hochschulen ausgewählt und erhalten 300 Euro pro Monat. Dieser Betrag wird je zur Hälfte von einem Unternehmen oder einer gemeinnützigen Organisation wie INTEZ und von der Bundesregierung aufgebracht. Die Geldgeber können Wünsche äußern, welche Personengruppen sie fördern möchten. Wir haben Deutschlandstipendien für Bildungsausländer*innen gefördert, also für frisch Zugewanderte, die ihre Hochschulzugangsberechtigung im Ausland erworben oder sogar dort schon studiert hatten. Wir förderten Stipendien an der Universität Duisburg-Essen, der Ruhr-Universität Bochum, der RWTH Aachen, der Folkwang-Universität der Künste, der FH Dortmund, der Hochschule Niederrhein und der Hochschule Ruhr West.

BAföG für Ausländer*innen mit Auslandsstudium

Im Kontakt mit den Stipendiat*innen des Deutschlandstipendiums wurden wir darauf aufmerksam, dass einige von ihnen vorher vergeblich versucht hatten, BAföG zu erhalten. Andere hatten BAföG gar nicht erst beantragt, weil sie glaubten, dass sie keinen Anspruch darauf hätten. Und wieder andere bekamen BAföG – und zusätzlich für ein Jahr das Deutschlandstipendium. Das brachte uns dazu, uns näher mit dem Thema „BAföG nach Studium im Ausland“   zu beschäftigen.

Seit 2022 mussten wir die Beteiligung am Deutschlandstipendium einstellen, weil unsere finanziellen Mittel dafür nicht mehr ausreichen. Wir konzentrieren uns jetzt ganz darauf, zugewanderte Studierende dabei zu unterstützen, das BAföG zur Sicherung ihres Lebensunterhalts in Anspruch zu nehmen. Im Einzelfall kann diese Unterstützung eine finanzielle Notfallhilfe einschließen, solange die Betroffenen auf Verwaltungsentscheidungen oder einen Gerichtstermin warten müssen.