Herkunftssprachlicher Unterricht: Chance für ausländische Lehrkräfte?

Eine Initiative chinesischer Eltern in einem nordrhein-westfälischen Landkreis hat erreicht, dass für ihre Kinder ein herkunftssprachlicher Unterricht eingerichtet werden soll. Dafür veröffentlichte das Schulamt des Kreises die folgende, hier stark gekürzt wiedergegebene Stellenausschreibung.

Stellenausschreibung für eine Lehrkraft zur Erteilung des Herkunftssprachlichen Unterrichts (HSID) in chinesischer Sprache in der Primarstufe und in der Sekundarstufe I

Stellenumfang: Eine Teilzeitstelle mit wöchentlich 06/28 Unterrichtsstunden.
Einsatz: Der HSU findet am Nachmittag statt. Bei Bedarf kann der Einsatz im Wege einer Abordnung auch an weiteren Schulen anderer Schulamtsbezirke stattfinden.

Bewerbungsvoraussetzungen für Lehrkräfte für den herkunftssprachlichen Unterricht in chinesischer Sprache:

1. Die bewerbende Person muss die Befähigung für ein Lehramt nach deutschem Recht in dem Fach Chinesisch besitzen.

(oder)

2. Die bewerbende Person besitzt die Befähigung für ein Lehramt nach deutschem Recht (beliebige Fächer) und hat statt der Lehrbefähigung für das Fach Chinesisch einen Nachweis über die geforderte Sprachqualifikation gemäß der Kompetenzstufe C 1 in Chinesisch nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen…

(oder)

3. Sollten keine Bewerbungen von Personen eingehen, die die Qualifikationen nach Nummer 1 oder 2 erfüllen,  können ausnahmsweise auch bewerbende Personen zugelassen werden, die

a) über eine ausländische Lehramtsprüfung für das Fach Chinesisch verfügen

(oder)

b) über einen deutschen oder ausländischen Hochschulabschluss im Fach Chinesisch verfügen

(oder)

c) über eine ausländische Lehramtsprüfung verfügen oder einen ausländischen Hochschulabschluss eines Landes der Herkunftssprache in einem anerkannten Lehrfach nachweisen und eine Sprachqualifikation gemäß der Kompetenzstufe C 1 in Chinesisch nach dem Europäischen Referenzrahmen für Sprachen … nachweisen…

Alle Lehrkräfte aus einem  Land außerhalb des deutschen Sprachraumes haben deutsche Sprachkenntnisse (Kompetenzstufe/Sprachniveau C 2) nachzuweisen…

Bewerbungen von Frauen und Schwerbehinderten sind besonders erwünscht.

Fassen wir zusammen:

  • Für eine 21,5% Stelle muss man möglichst ein deutsches Lehrer*innenexamen haben.
  • Für den Chinesischunterricht genügt ein Sprachniveau von C1 in Chinesisch. Wer aber nicht Deutsch als Herkunftssprache hat, muss deutsche Sprachkenntnisse auf dem Niveau C2 nachweisen, um Chinesisch unterrichten zu dürfen. Für den herkunftssprachlichen Unterricht ist also Deutsch wichtiger als die zu unterrichtende Sprache.
  • Ausdrücklich besonders erwünscht sind zwar Bewerbungen von Frauen und Schwerbehinderten, aber nicht von chinesischen Herkunftssprachler*innen.

Ob sich wohl unter diesen Bedingungen eine geeignete Lehrperson finden lässt? Oder wird man den Eltern mitteilen, dass ihr Wunsch leider, leider nicht erfüllbar ist?

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